1985 bis 1994:

Walter Ruppel - mit Klassikern und Komödien zum Erfolg

Der gebürtige Hamburger Walter Ruppel, der nicht nur Erfahrungen als Assistent, Schauspieler und Dramaturg am Theater im Zimmer und am Thalia Theater in Hamburg sammeln konnte, sondern auch als Intendant in Regensburg und Bremerhaven tätig gewesen war, trat die Nachfolge von Konrad Hansen an. Zwar war er des Plattdeutschen nicht mächtig, doch konnte er als versierter Theatermann Impulse setzen und das Theater weiter professionalisieren. Ruppel führte die von Hansen begründete Klassiker-Tradition am Ohnsorg-Theater fort und erzielte mit Ilo von Jankós Inszenierung von Kleists „Der zerbrochene Krug“ – „Dat Schörengericht“ – einen beachtlichen Erfolg: Die plattdeutsche Bühne wurde erstmalig zu den Ruhrfestspielen nach Recklinghausen eingeladen und gelangte damit zu hohen künstlerischen Ehren. Jankó, der schon bald die Qualitäten des Ohnsorg-Ensembles erkannte, blieb dem Haus bis zu seinem Tode im Jahr 2001 verbunden und bescherte dem Ohnsorg-Theater zahlreiche unvergessliche Regiearbeiten. So inszenierte er 1992 Jean Sarments „Manda Voss ward 106“ mit Heidi Kabel in der Titelrolle, die mit dieser Rolle ihr 60jähriges Bühnenjubiläum feiern konnte.

Die spielen in einer Woche das, was ich den hochdeutschen Schauspielern in einem Monat nicht erklären kann vor lauter Theoretisiererei.
Ilo von Jankó

Auch im Ausland war die plattdeutsche Bühne präsent, so gastierte das Ensemble mit Ingo Sax’ Komödie „Lütte witte Siedenschöh“ in Japan. Noch weitere Auslands-Gastspiele sollten folgen, so zog es das Ohnsorg-Theater auch nach New York oder nach Mallorca. Insgesamt baute Ruppel seine Konzeption auf einer behutsamen Veränderung des Spielplanes auf - und konnte diese mit Erfolg durchsetzen: Bewährte Ohnsorg-Klassiker wurden nach entsprechender dramaturgischer Bearbeitung genauso gespielt wie Boulevardkomödien und Stücke von Bertold Brecht oder Gerhart Hauptmann. 1992 wurde die erfolgreiche Arbeit mit der „Silbernen Maske“ der Hamburger Volksbühnen ausgezeichnet. Aufgrund gesundheitlicher Probleme musste Walter Ruppel von seinem Intendantenposten zurück treten.