Zum Tod von Folker Bohnet (1937 - 2020)

Das Ohnsorg-Theater trauert um den Schauspieler, Regisseur und Autor Folker Bohnet, der in der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober verstorben ist

Es war im Jahr 2001, als Folker Bohnet zum ersten Mal seine Inszenierungskünste im Ohnsorg-Theater mit überwältigendem Erfolg vorstellte. Lustfohrt in’t Paradies hieß der Schwank der beiden Virtuosen Arnold & Bach. Fortan war für die Zuschauer klar: Wenn Folker Bohnet für die Inszenierung verantwortlich zeichnet, ist ein guter unterhaltsamer Theaterabend, an dem es viel zu lachen gibt, garantiert. Und er wurde mit seinem Gespür für Komik und seiner seismografischen Sensibilität zum Einfühlen in jede kleinste Situation auf der Bühne zum Stamm-Regisseur am Ohnsorg-Theater. In den folgenden 16 Jahren zeichnete er für insgesamt 17 Aufführungen verantwortlich. Und viele seiner Inszenierungen wie Pension Schöller, Dree Mann an de Küst (nach dem Film Drei Männer im Schnee), Charleys Tante, Allens op Krankenschien, De Spaansche Fleeg und Dat Schörengericht (nach Der zerbrochne Krug) sind den Zuschauern in bleibender Erinnerung geblieben. Besonders beliebt waren auch seine kleinen Inszenierungen nach der Inszenierung. Folker Bohnet reichte es nämlich nicht, die Schauspieler*innen geordneter Reihenfolge zur Applausentgegennahme auf die Bühne zu schicken. Bei ihm endete jede Vorstellung mit einer kleinen zusätzlichen Aufführung, in der er die Darsteller zu Musik auf die Bühne tanzen ließ oder sie mit stückbezogenen Requisiten zu Standbildern arrangierte.

Folker Bohnet wurde am 7. August 1937 in Berlin geboren. Hier verlebte er seine Kindheit, zog dann aber nach Düsseldorf, wo er auch sein Abitur machte. Eigentlich wollte er Jurist werden und begann in Köln ein Jura-Studium. Nach vier Semestern brach er das Studium jedoch ab und ging nach Berlin, um dort das UFA-Nachwuchsstudio zu besuchen und sich von Else Bongers zum Schauspieler ausbilden zu lassen. Er ging noch zur Schauspielschule, als er in gleich drei Spielfilmen mitwirken konnte. Einer davon war der bekannte Antikriegsfilm Die Brücke von Bernhard Wicki, in dem er die Rolle des Hans Scholten spielte. Es folgten feste Engagements und Gastspiele an Theatern in Berlin, Hamburg, München, Köln und Wien – daneben auch immer wieder Tourneen und Festspiele. Und auch zahlreiche Fernsehspiele und weitere Kinofilme gehören zum schauspielerischen Schaffen von Folker Bohnet, darunter 1972 der Film Ludwig II. von Luchino Visconti.

Wie nicht nur seine Arbeiten am Ohnsorg-Theater belegen, war in den zurückliegenden Jahrzehnten neben der Schauspielerei vor allem das Inszenieren Schwerpunkt seiner Tätigkeit. Bereits seit 1977 war Folker Bohnet zudem auch als Autor von Theaterstücken erfolgreich. Zusammen mit Alexander Alexy und anderen entstanden so eine Reihe von erfolgreichen Lustspielen und Komödien, die bundesweit auf den Spielplänen der Theater stehen, zumeist verlegt vom Hamburger Theaterverlag Ahn & Simrock. Besonders stolz war Folker Bohnet, als sein Sohn Markus Lorenz, selbst Schauspieler und auch hinter den Kulissen des Ohnsorg-Theaters erfolgreich tätig, Anfang 2019 von Dieter Hallervorden als Theaterleiter an das Berliner Schlossparktheater berufen wurde.  

In der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober 2020 ist Folker Bohnet in Hamburg gestorben. Ohnsorg-Intendant Michael Lang sagt: „Wir sind tief betroffen und trauern um eine herausragende Persönlichkeit, einen vielseitigen, bundesweit sehr erfolgreichen Künstler, der mit seinen Arbeiten ein Stück Ohnsorg-Geschichte geschrieben hat und dem wir sehr viel zu verdanken haben. Ein Meister als Regisseur, Autor und Schauspieler, der die Kunst, die Geheimnisse und die Mechanik von Komödien und Lustspielen virtuos und in allen Facetten beherrschte - zur großen Freude der beteiligten Künstler_innen und des Publikums. Ich habe Folker Bohnet auch als Mensch sehr geschätzt, er war selbst in angespannten Zeiten immer positiv gestimmt, stets zugewandt, warmherzig, interessiert und neugierig auf neue künstlerische Abenteuer. Unsere Gedanken sind in dieser schweren Zeit bei seiner Familie, und wir werden Folker Bohnet sehr vermissen.“

Folker Bohnet © Ahn & Simrock